Das Veto-Prinzip in der Theaterpädagogik

Theaterpädagogik ist ein ideales Feld, um das Veto-Prinzip erlebbar zu machen. Während Vetos in Diskussionen abstrakt wirken können, lassen sie sich im Theater körperlich und ästhetisch umsetzen: durch Improvisationen, Stop-Momente oder Forumtheater. Dadurch lernen Gruppen, dass Vetos keine Blockade, sondern ein kreativer Motor für neue Lösungen sind. Diese Unit zeigt dir, wie du Theaterübungen mit Veto-Recht gestaltest – und wie daraus sowohl individuelle Selbstwirksamkeit als auch kollektive Demokratiekompetenz erwächst.

Loslegen

„Nur wer Nein sagen darf, kann auch wirklich Ja sagen.“ – Maike Plath

 

Gemeinsam mit deinem Buddy:

Spielt euch gegenseitig einfache Bewegungen vor (z. B. Hände heben, eine Drehung).

Der Buddy darf jederzeit „Stopp“ sagen.

Danach Rollen tauschen.

Reflexion: Wie ist es, zu stoppen? Wie ist es, gestoppt zu werden?

 

Leitfragen

  • Wann habe ich zuletzt mit meinem Körper „Nein“ gesagt?

  • Woran erkenne ich, dass jemand in einer Gruppe innerlich ein Veto empfindet?

  • Wie fühlt es sich an, ein „Stopp“ auszusprechen – und wie, es zu akzeptieren?

 

 

Neues entdecken

Das Veto-Prinzip schützt die Integrität und Würde jedes Menschen.

In der Theaterpädagogik zeigt sich, dass ein „Nein“ auch körperlich, nonverbal und performativ zum Ausdruck kommen kann.

Das Veto ist kein Widerstand, sondern ein Recht auf Selbstschutz, das echte Kooperation ermöglicht.

Theater eröffnet Räume, in denen das Veto sichtbar wird: Bewegungen stoppen, Szenen neu starten, Rollen verändern.

Pädagogisch ist dies relevant, weil es Teilnehmenden Sicherheit gibt, Experimente zu wagen, ohne überfordert oder verletzt zu werden.

Hier erfährst du noch mehr:

Das Veto-Prinzip als körperliche Erfahrung in der Theaterpädagogik

 

 

Aufgabe im Buddy-Team

  • Welche Situationen im Theater oder in kreativen Prozessen können Vetos besonders wichtig machen?
  • Notiert Beispiele und teilt sie anschließend.

 

Eintauchen 1

Theatermethoden machen das Veto erlebbar:

Improvisation: Jede:r darf jederzeit „Veto“ sagen → Szene stoppt und wird neu begonnen.

Forumtheater (Boal): Zuschauer:innen dürfen Veto rufen und neue Handlungsoptionen einbringen.

Standbilder: Jede Person formt ein Bild; Vetos erlauben Anpassungen, bis es für alle passt.

 

>Perspektive: Das Veto ist nicht Blockade, sondern kreativer Impuls.

>Systemisch: Theaterpädagogische Prozesse mit Veto stärken Demokratiekompetenzen, Pluralismus und Resilienz.

>Institutionell: Schulen oder Kulturprojekte, die das Veto-Prinzip einbetten, fördern eine Kultur des Respekts und der Teilhabe.

 

Willst du mehr darüber wissen?

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Gemeinsam mit deinem Buddy:

  • Spielt eine kurze Impro-Szene.
  • Jede:r hat eine Veto-Karte.
  • Nutzt diese, wann immer ihr eine Grenze spürt.

Fertig? Wie hat das Veto den kreativen Prozess verändert?

 

Ausprobieren 1

Anwendung für Pädagog:innen

Ziel: Pädagog:innen entwickeln ein Bewusstsein, wie das Veto-Prinzip spielerisch und körperlich vermittelt werden kann, und wenden es selbst an.

 

Vorgehen in 4 Schritten:

Vorbereitung:

  • Stelle genügend Platz für Bewegungen sicher (Stuhlkreis oder freie Bühne).

  • Erkläre die Veto-Regel: „Jede:r darf jederzeit Stopp/Veto sagen – das wird sofort akzeptiert.“

  • Lege Symbole fest (Handzeichen, Karte oder lautes „Stopp“).

Spielidee entwickeln:

  • Wähle ein bekanntes Impro- oder Warm-up-Spiel (z. B. „Ja, und…“-Impro, Pantomime-Kette, Freeze).

  • Integriere Vetos: Die Szene/Bewegung stoppt sofort, wenn jemand Veto einlegt. Danach wird die Handlung angepasst oder neugestartet.

Durchführung:

  • Spiele das entwickelte Warm-up mit der Gruppe (ca. 10–15 Minuten).

  • Achte darauf, dass Vetos respektiert und nicht hinterfragt werden.

Reflexion mit der Gruppe:

  1. Wie hat es sich angefühlt, ein Veto einzulegen?

  2. Wurde das Veto eher als Blockade oder als neue Chance wahrgenommen?

  3. Welche Kreativität ist durch das Veto entstanden?

 

 Konkrete Aufgabe für Pädagog:innen:

  •  Entwickle ein 10-minütiges Theater-Warm-up, in dem Vetos zentral vorkommen.
  •  Teste es mit deiner Gruppe, beobachte die Dynamik und notiere deine Beobachtungen.

 

Brauchst du Ideen für Warm-Up-Spiele?

HIER

 

Ausprobieren 2

Anwendung im pädagogischen Alltag -über Theater hinaus-

 

Ziel: Pädagog:innen lernen, das Veto-Prinzip in alltägliche Gruppenprozesse zu integrieren und damit Demokratie praktisch zu leben.

 

Vorgehen in 5 Schritten:

Situation auswählen:

  • Wähle einen Bereich im Alltag, wo gemeinsame Entscheidungen getroffen werden (z. B. Sitzordnung, Klassenausflug, Gruppenregeln, Themenwahl).

Einführung des Prinzips:

  • Erkläre den Kindern/Jugendlichen: „Ab heute gilt hier: Jede:r darf Nein sagen, wenn etwas nicht passt. Ihr müsst euer Veto nicht begründen – wir suchen dann gemeinsam eine andere Lösung.“

  • Kläre auch die Rolle der Pädagog:in: Du sorgst für Rahmen & Sicherheit (Führungsjoker).

Erste Anwendung:

  • Diskutiere eine konkrete Entscheidung (z. B. Wahl des Projektthemas).
  • Lasse bewusst Raum für Vetos.
  • Akzeptiere jedes Veto sofort und leite den Prozess so, dass Alternativen gefunden werden.

Reflexion mit der Gruppe:

Frage nach:

  • Wie war es, ein Veto einzulegen?

  • Was hat es verändert, dass wir Vetos erlaubt haben?

  • Welche Unterschiede zu Abstimmungen spüren wir?

Dokumentation & Weiterentwicklung:

  • Sammle Erfahrungen schriftlich (Protokoll, Poster im Klassenraum).

  • Entwickle gemeinsam Regeln, wie Vetos in Zukunft eingesetzt werden können (z. B. Veto-Karten, Veto-Runden im Klassenrat).

 

Konkrete Aufgabe für Pädagog:innen:

  •  Wähle in deiner Gruppe eine alltägliche Entscheidung, bei der bisher Mehrheitsprinzip oder Top-down galt.
  •  Führe das Veto-Prinzip ein, dokumentiere die Reaktionen und besprecht gemeinsam: Wie wollen wir in Zukunft mit Vetos umgehen?

 

Abschließen

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Nachdem du die Unit nun durchlaufen hast...

  • Wie fühlt es sich an, Vetos in kreative Prozesse einzubauen?

  • Was unterscheidet ein Theater-Veto von einem Alltags-Veto?

  • Wie verändert das Veto unsere Haltung zu Macht, Grenzen und Kooperation?

  • Welche Chancen und Risiken sehe ich für meine Institution?