Planspiele / Simulationen

Planspiele sind strukturierte Simulationen gesellschaftlicher Entscheidungsprozesse (z. B. Stadtrat, Parlament, UN-Gremium). Lernende übernehmen Rollen mit klaren Mandaten, arbeiten mit Informationspaketen, befolgen Verfahrensregeln und erzeugen greifbare Outputs (Beschluss, Positionspapier, Resolution). Das Debriefing übersetzt Erlebnisse in reflektiertes Wissen & Kompetenzen (Argumentieren, Perspektivenwechsel, Kooperation). Die Methode eignet sich für Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung — analog, hybrid oder digital.

Loslegen

Variante A: „Blitz-Koalition“ (5–10 Min)

Kleingruppen bekommen je 3 Karten mit Bedürfnissen (z. B. „Sicherheit“, „Freiraum“, „Budgetdisziplin“).

Auftrag: In 5 Minuten eine Mini-Koalitionsvereinbarung mit zwei gemeinsamen Zielen.

Kurzer Austausch: Wie kamen Entscheidungen zustande?

 

Variante B: Standbarometer „Was ist fair?“ (10–15 Min)
Raumskala von „Stimme zu“ bis „stimme nicht zu“.

Thesen (neutral formuliert) vorlesen, z. B. „Mehrheit ist immer besser als Konsens“.

Positionswechsel zulassen.

Fokus auf Begründungen, nicht Personen.

 

Neues entdecken

Planspiele sind ein hochwirksames Lerninstrument, um Demokratieprozesse, Verhandlungen und Entscheidungsfindung erfahrbar zu machen.

Sie verbinden Wissensvermittlung, soziale Kompetenzen und Handlungskompetenz in einem praxisnahen Format. Entscheidend sind klare Rollen, transparente Regeln, realistische Szenarien und ein strukturiertes Debriefing.

 

Begriffe & Abgrenzung

  • Simulation/Planspiel: geregeltes Abbild eines Entscheidungsprozesses mit Rollen, Regeln, realitätsnahen Dilemmata, Ergebnisdruck.
  • Rollenspiel: Fokus auf Interaktion/Empathie, oft ohne formales Verfahren.
  • Debatte: argumentatives Pro/Contra, aber ohne Prozess-Simulation.
  • Projekt: reale Umsetzung; Simulation bleibt fiktiv/kontrafaktisch.

 

Didaktische Logik (Warum es wirkt)

  • Kognitiv: Strukturierte Informationsverarbeitung, Argumentationsaufbau, Systemverständnis.
  • Sozial: Kooperation, Aushandlung, Konfliktbearbeitung.
  • Ethisch-affektiv: Perspektivenwechsel, Verantwortungserleben.
  • Handlungsorientiert: Entscheidungen unter Zeit-/Ressourcendruck simulieren.

 

Schlüsselelemente eines guten Planspiels

  1. Rollen & Mandate (z. B. Fraktionen, Interessengruppen, Ressorts)
  2. Informationspakete (gemeinsame Basisinfos + rollen-spezifische Dossiers)
  3. Verfahren (Agenda, Rede-/Antragsregeln, Mehrheiten/Konsens/Konsent)
  4. Interaktionen (Lobby-Gespräche, Fraktionsrunden, Ausschüsse)
  5. Outputs (Beschluss, Entwurf, Roadmap, Resolution, Policy-Brief)
  6. Debriefing (strukturiert! Transfer in Wissen/Kompetenzen)

 

Lernziele (Orientierung an GCED/RFCDC)

  • Sachkompetenz: Prozesse/Institutionen verstehen
  • Sozial-/Selbstkompetenz: Empathie, Kooperation, Regel-/Zeitdisziplin
  • Demokratiekompetenz: abwägend entscheiden, Minderheiten achten, Verantwortung teilen

 

Um mehr zu erfahren, klicke

HIER

Eintauchen 1

Design-Baukasten (skalierbar)

  • Micro-Simulation (30–45 Min): 1 Thema, 6–12 Rollen, 2 kurze Verhandlungsrunden, ein Beschluss.
  • Kompakt (90–120 Min): 2–3 Fraktionen + Stakeholder; Ausschuss-Phase; Beschluss + Presse-Statement.
  • Tagesformat/Mehrtägig: Fachinputs/Expert:innen, Ausschüsse, Änderungsanträge, Abschlussplenum.

Inklusion & Sprachsensibilität

  • Visuelle Agenden, Satzstarter („Wir schlagen vor, weil …“), Glossar einfacher Begriffe.
  • Buddy-Systeme, Redechips (faire Redeanteile), silent think time vor Redebeiträgen.
  • Mehrsprachigkeit zulassen; Rolleninfos in einfacher Sprache plus vertiefende Anhänge.

 

Moderations-/Leitungsrolle

  • Schiedsgericht, nicht Dirigent: Regeln erklären, Zeit managen, Fairness sichern.
  • Security-Net: bei Eskalation strukturieren (Redereihenfolge, Time-outs, Mediations-Mini-Runden).

 

Bewertung & Evidenz

  • Beobachtungsbögen nach Kompetenzen (Argumentation, Kooperation, Regelbefolgung).
  • Artefakte (Entwürfe, Resolutions-Text) als Leistungsnachweise.
  • Selbst-/Peer-Assessments (kurze Rubrics).
  • Forschung (u. a. UNESCO/OECD-Rahmen) betont Wirkung von participatory, experiential learning auf Agency, Dialog- und Urteilskompetenz.

 

Risiken & Ethik

  • Dominanz: mit Redechips, Moderation, Kleingruppen gegensteuern.
  • Emotionalität: sensible Themen ankündigen; Deeskalations-Protokoll bereithalten.
  • Stereotype: Rollen neutral schreiben; keine Zwangszuschreibungen.
  • Alibi-Partizipation vermeiden: Ergebnisse sichtbar machen (Aushang/Board) und Folgeprozess klären.

 

Insgesamt gilt:

  • Skalieren statt überfrachten.
  • Fairness-Tools (Redechips, Timer, Buddy) aktiv nutzen.

Debrief = Pflicht: ohne Auswertung kein Lernen.

 

Ausprobieren 1

Bist du bereit, es auszuprobieren?

Mit dieser Checkliste hast du ein praktisches Drehbuch für jedes Planspiel – von der Vorbereitung bis zur Nachbereitung:

Checkliste

 

Los gehts

Transferaufgabe 1: „Schulbudget in 45 Min“ (Micro-Sim)

  • Szenario: 5 000 Einheiten Budget verteilen (Bibliothek, Sport, Inklusion, Klima).
  • Rollen: 3 Fraktionen + 2 Stakeholder.
  • Output: Budgetbeschluss + 3-Punkt-Begründung.

 

Transferaufgabe 2: „Öffentlicher Raum – Pausenhofplan“ (90 Min)

  • Szenario: Konfligierende Nutzungen (Ruhezone/Sport/Garten).
  • Ausschussrunde → Änderungsanträge → Beschluss + Roadmap (wer, was, bis wann).

Transferaufgabe 3: „Mini-COP“ (120 Min, hybrid möglich)

  • Rollen: Staatenblöcke + NGOs.
  • Ziele: Emissionsreduktion, Anpassungsfonds.
  • Output: Resolution mit konkreten Prozent-/Jahreszahlen, Finanzierungszusagen.

 

Nutze auch das

Bewertungsraster

 

Ausprobieren 2

Willst du loslegen?

Dann bekommst du hier ein Rollenblatt-Template für Planspiele/Simulationen, das du direkt einsetzen oder anpassen kannst. Es ist so gestaltet, dass es in unterschiedlichen Kontexten (Schule, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung) und Sprachen genutzt werden kann.

Rollenblatt-Template

Dieses Template kannst du beliebig anpassen – etwa für politische Simulationen (z. B. UN, Stadtrat), Schul- oder Organisationskontexte oder auch Planspiele zu Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Konfliktmanagement.

 

Hier bekommst du ein Beispiel-Set von Rollenblättern, das du sofort einsetzen kannst:

Pressefreiheit und Fake-News

Bürger:innenrat zur Stadtentwicklung

UN-Klimakonferenz

Schulbudget

 

Abschließen

Abschließen

Variante A: Plus–Delta

  • Plus: Was hat gut funktioniert (Prozess/Kommunikation)?
  • Delta: Was ändern wir beim nächsten Mal?

Variante B: 3-Karten-Debrief

  • Karte 1: Eine Einsicht
  • Karte 2: Ein Argument, das mich überzeugt hat
  • Karte 3: Ein Schritt, den wir jetzt real gehen können