Daten, Macht und Gerechtigkeit Wie KI gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken kann
KI-Systeme wirken oft objektiv, weil sie auf Daten basieren. Diese Unit zeigt, warum genau diese Annahme trügerisch ist. Daten entstehen in sozialen Kontexten, spiegeln Machtverhältnisse wider und schließen bestimmte Perspektiven aus. Du setzt dich damit auseinander, wie KI gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken kann und welche Verantwortung daraus für pädagogische Professionalität, Demokratie und Inklusion entsteht.
Loslegen
Daten sind kein neutraler Rohstoff. Sie entstehen in gesellschaftlichen Kontexten.
Stell dir folgende Situation vor:
Ein datenbasiertes System bewertet Risiken oder Förderbedarfe. Bestimmte Gruppen werden überdurchschnittlich häufig als problematisch eingestuft, ohne dass klar ist, warum.
Nun nimm dir einen Moment Zeit für folgende Fragen:
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Wann gelten Daten für dich als objektiv oder zuverlässig?
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Wer entscheidet, welche Daten gesammelt werden und welche nicht?
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Wem nützen datenbasierte Entscheidungen, und wer bleibt unsichtbar?
Gemeinsam mit deinem Buddy:
Tauscht euch darüber aus, wo ihr in eurem Arbeitsfeld mit Bewertungen, Einordnungen oder Kategorien arbeitet, die auf Daten beruhen.
Neues entdecken
Daten gelten häufig als objektive Grundlage von KI-Systemen. Tatsächlich sind sie das Ergebnis sozialer Auswahlprozesse. Sie spiegeln bestehende Machtverhältnisse, Normen und Ausschlüsse wider. KI kann diese Verzerrungen nicht erkennen, sondern verarbeitet sie weiter. Dadurch können Ungleichheiten reproduziert oder verstärkt werden.
Lies mehr dazu hier:
Daten als soziale Konstruktionen
Eintauchen 1
Algorithmische Fairness, Diskriminierung und Verantwortung
Wie können aus datenbasierten Systemen scheinbar faire, tatsächlich aber diskriminierende Entscheidungen entstehen?
In diesem Abschnitt setzt du dich damit auseinander, warum Fairness in KI-Systemen nicht technisch herstellbar ist, wie Verantwortung in automatisierten Entscheidungsprozessen verschoben wird und welche besonderen Herausforderungen sich daraus für pädagogische Professionalität ergeben.
Mehr dazu findest du hier:
Algorithmische Fairness, Diskriminierung und Verantwortung
Ausprobieren 1
Daten, Fairness und Verantwortung im eigenen professionellen Handeln verorten
Dieser Bereich zielt darauf ab, die bisher beschriebenen Zusammenhänge zwischen Daten, Macht und Diskriminierung auf das eigene pädagogische Handeln zu beziehen. Pädagog:innen arbeiten häufig in Kontexten, in denen Bewertungen, Einordnungen oder Entscheidungen zunehmend datenbasiert vorbereitet oder legitimiert werden. Dieser Transfer unterstützt dabei, die eigene Rolle innerhalb solcher Systeme bewusst zu reflektieren.
Pädagogische Professionalität zeigt sich nicht nur im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, sondern auch darin, wie mit strukturellen Vorgaben, Bewertungen und scheinbar objektiven Entscheidungsgrundlagen umgegangen wird. Ziel ist es, Verantwortung nicht zu delegieren, sondern aktiv wahrzunehmen.
Bist du bereit?
Nimm dir Zeit für eine individuelle schriftliche Reflexion oder einen strukturierten Austausch mit einer Kolleg:in oder einem Buddy.
Bearbeite dabei folgende Leitfragen:
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In welchen Situationen meines pädagogischen Alltags spielen Daten, Kategorien oder Bewertungen eine Rolle?
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Wo erlebe ich Entscheidungen, die als objektiv oder alternativlos dargestellt werden, weil sie datenbasiert sind?
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An welchen Stellen besteht die Gefahr, dass strukturelle Ungleichheiten durch solche Entscheidungen reproduziert werden?
Formuliere anschließend zwei bis drei konkrete Prinzipien, die dein eigenes Handeln leiten sollen, zum Beispiel:
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Wie du mit datenbasierten Einschätzungen umgehst
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Wo du bewusst nach Kontext, Geschichte und individuellen Lebenslagen fragst
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Wie du Verantwortung auch in komplexen Systemen sichtbar hältst
Diese Prinzipien können als persönliche Orientierung oder als Grundlage für kollegiale Gespräche dienen.
Ausprobieren 2
Sensibilität für Datenmacht und Diskriminierung im direkten Kontakt fördern
Im pädagogischen Alltag begegnen Kinder und Jugendliche zunehmend Bewertungen, Rankings und automatisierten Einschätzungen. Diese werden häufig als neutral oder gerecht wahrgenommen, weil sie auf Daten beruhen. Pädagog:innen haben die Aufgabe, diese Wahrnehmung einzuordnen und zu hinterfragen, ohne Misstrauen oder Ohnmacht zu erzeugen.
Der zweite Transfer fokussiert darauf, wie im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen ein sensibler Umgang mit datenbasierten Entscheidungen gefördert werden kann. Ziel ist es, Bewusstsein für Macht, Ausschluss und Verantwortung zu entwickeln.
Bist du bereit?
Entwickle einen Gesprächsimpuls, eine kurze Übung oder eine wiederkehrende Frage, mit der du folgende Aspekte thematisierst:
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Dass Daten nicht alles abbilden, was für Menschen wichtig ist
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Dass Bewertungen immer auf bestimmten Annahmen beruhen
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Dass Ungerechtigkeit auch dort entstehen kann, wo Gleichbehandlung versprochen wird
Reflektiere dabei:
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Welche Beispiele aus dem Alltag der Kinder oder Jugendlichen eignen sich besonders?
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Wie kannst du erklären, dass Daten hilfreich sein können, ohne ihnen absolute Autorität zuzuschreiben?
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Wie kannst du Kinder und Jugendliche ermutigen, Fragen zu stellen und Bewertungen nicht einfach hinzunehmen?
Ziel ist nicht, Technik abzulehnen, sondern kritisches Denken und Selbstwirksamkeit zu stärken.
Abschließen
Der Umgang mit Daten und KI berührt grundlegende Fragen von Macht, Gerechtigkeit und Teilhabe. Pädagog:innen stehen an einer Schnittstelle zwischen individuellen Lebenslagen und gesellschaftlichen Strukturen. Ihre Haltung beeinflusst, ob datenbasierte Systeme als unterstützend oder als ausschließend erlebt werden.
Datenbasierte Entscheidungen erscheinen oft sachlich und neutral. Gerade deshalb ist es notwendig, ihre Voraussetzungen sichtbar zu machen und Verantwortung nicht aus dem Blick zu verlieren.
Reflexionsfragen zur eigenen Haltung
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Wo bin ich selbst geneigt, datenbasierten Entscheidungen mehr zu vertrauen als relationalem oder kontextuellem Wissen?
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Welche Formen von Ungleichheit nehme ich in meinem pädagogischen Umfeld besonders wahr?
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Wie beeinflussen Kategorien und Bewertungen mein eigenes professionelles Handeln?
Reflexionsfragen zur zukünftigen Praxis
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Was möchte ich im Umgang mit Daten und KI bewusst beibehalten, weil es gerecht und verantwortungsvoll ist?
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Was möchte ich verändern, um sensibler mit Macht, Ausschluss und Unsichtbarkeit umzugehen?
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Welche Haltung zu Fairness, Gerechtigkeit und Verantwortung möchte ich an Kinder, Jugendliche, Kolleg:innen oder Eltern weitergeben?