Oxford-Debatte
Die Oxford-Debatte ist eine formalisierte Diskussionsmethode, die aus der britischen Universitätskultur stammt. Zwei Teams vertreten Pro- und Contra-Argumente zu einer klaren These. Es gelten strenge Regeln: Redezeiten sind begrenzt, Zwischenfragen erlaubt, das Publikum stimmt vor und nach der Debatte ab. So wird sichtbar, ob Argumente überzeugen konnten.Die Methode fördert logisches Denken, Argumentationskraft, Zuhörfähigkeit und demokratische Diskussionskultur. Sie eignet sich für kontroverse Fragen, bei denen unterschiedliche Positionen klar herausgearbeitet werden sollen.
Warm up
Variante 1 – Meinungsbarometer:
- Raumskala mit „Stimme voll zu“ ↔ „Stimme gar nicht zu“.
- These: „Soziale Medien sind für Jugendliche mehr schädlich als nützlich.“
- Alle stellen sich auf die Skala, kurze Begründungen.
- → Einstieg in das Denken in Pro- und Contra-Argumenten.
Variante 2 – Kartenabfrage:
- Jede:r schreibt ein Argument dafür und dagegen zu einer These.
- Sammlung an der Tafel → erste Vielfalt sichtbar machen.
Variante 3 – Partnergespräch:
- Zwei Buddys debattieren 3 Minuten lang eine These mit Pro- und Contra-Rollen.
- Danach Rückmeldung: „Wie hat sich das Anfühlen verändert, wenn ich eine Rolle übernehmen musste?“
Learn
Die Oxford-Debatte vermittelt, dass in einer Demokratie Argumente zählen, nicht Lautstärke.
Sie macht erfahrbar, dass Meinungen veränderbar sind, wenn überzeugende Argumente vorliegen.
So fördert die Methode eine Kultur des respektvollen Streitens – ein Kernelement demokratischer Gesellschaften.
Ursprung:
- Entstanden im 19. Jahrhundert in Oxford und Cambridge als studentische Streitkultur. Ziel war es, die rhetorischen und politischen Fähigkeiten von Studierenden zu trainieren
Kernprinzipien:
- Klare These (z. B. „Dieses Haus ist der Meinung, dass ...“).
- Zwei Teams (Pro und Contra), gleiche Redezeiten.
- Strenge Redeordnung: Eröffnungsrede, Hauptreden, Repliken, Schlussreden.
- Zwischenfragen möglich, jedoch in klaren Regeln (Handzeichen, Zustimmung der Redner:innen).
- Das Publikum stimmt vor und nach der Debatte ab. Der Vergleich zeigt den Erfolg der Argumente.
Dive in 1
Didaktischer Wert:
- Trainiert Argumentationslogik und Rededisziplin.
- Sichtbare Wirkung durch Vorher-Nachher-Abstimmung → Lernende erleben den Einfluss von Argumenten.
- Fördert Multiperspektivität: Lernende müssen auch Positionen vertreten, die sie selbst nicht haben.
- Eignet sich zur Bearbeitung komplexer gesellschaftlicher Fragen (z. B. Klimapolitik, Digitalisierung, Schule ohne Noten).
Hier erfährst du mehr darüber
Überlege gemeinsam mit deinem Buddy:
Welche Themen eignen sich in deiner Lerngruppe für eine Oxford-Debatte?
- Wählt ein Thema aus und entwerft mögliche Pro- und Contra-Argumente.
Transfer 1
Nun folgenden erste praktische Übungen, bevor eine vollständige Debatte durchgeführt wird:
Aufgabe A – Mini-Debatte im Klassenrahmen
- 2 Personen vertreten Pro, 2 Personen vertreten Contra zu einer einfachen These.
- Beispiel: „Dieses Haus ist der Meinung, dass Handys im Unterricht erlaubt sein sollten.“
- Redezeit: 2 Minuten pro Person.
- Publikum stimmt vor und nach der Mini-Debatte ab.
- → Lernende üben Redeordnung und Argumentationsstruktur.
Aufgabe B – Argumente-Sammeln & Ranking
- Die Gruppe wird in Pro- und Contra-Teams aufgeteilt.
- Jede Seite sammelt mindestens 5 Argumente.
- Danach: Jedes Team sortiert die Argumente nach Stärke (1 = schwächstes, 5 = stärkstes Argument).
- Kurze Vorstellung im Plenum: Welche Kriterien machen ein Argument stark?
- → Stärkt die Fähigkeit, Argumente kritisch zu bewerten.
Aufgabe C – Redeübung mit Zeitdruck
- Jede:r zieht spontan eine Karte mit einer Pro- oder Contra-These.
- 1 Minute Vorbereitungszeit.
- 90 Sekunden Redezeit vor der Gruppe.
- Feedback durch das Publikum: „Was war klar, was war überzeugend, was könnte besser werden?“
- → Trainiert Spontanität, rhetorische Klarheit und Selbstsicherheit.
Transfer 2
Argumentationswerkstatt mit Rollenwechsel
- Teilnehmende arbeiten in Kleingruppen (4–6 Personen).
- Jede Gruppe erhält dieselbe These (z. B. „Dieses Haus ist der Meinung, dass Social Media für Jugendliche verboten werden sollte.“).
- Ablauf:
- Erste Runde: Zwei Personen sammeln Pro-Argumente, zwei sammeln Contra-Argumente.
- Kurze Debatte im Mini-Format (5 Minuten).
- Rollenwechsel: Pro wechselt auf Contra, Contra auf Pro.
- Neue Runde (5 Minuten) – jetzt muss die jeweils andere Seite überzeugend vertreten werden.
- Ziel: Lernende erleben, wie es ist, die Perspektive zu wechseln und Argumente unabhängig von der eigenen Meinung zu formulieren.
Nutzen:
- Stärkt Empathie und Perspektivübernahme.
- Trainiert Flexibilität im Denken.
- Hilft, Stereotype aufzubrechen und die Qualität der Argumentation zu erhöhen.
Transfer 3
Umsetzung im Alltag
Plane eine vollständige Oxford-Debatte mit deiner Klasse oder deinem Team.
Schritte:
- Thema und These auswählen.
- Teams bilden, Rollen verteilen.
- Vorbereitungszeit für Argumente und Belege.
- Durchführung mit Redeordnung, Zeitplan und Moderation.
- Vorher-Nachher-Abstimmung dokumentieren.
Ergebnisse sichern (z. B. Wandzeitung mit Pro-/Contra-Argumenten).
Gemeinsame Reflexion: Was habe ich gelernt, auch wenn ich die „Gegenseite“ vertreten musste?
Reflect
Variante 1 – Leitfragen im Plenum:
- Welche Argumente haben dich besonders überzeugt?
- Hat sich deine Meinung verändert? Warum (nicht)?
- Wie war es, eine Position zu vertreten, die nicht deiner persönlichen Überzeugung entspricht?
Variante 2 – Blitzlicht:
- Jede:r sagt einen Satz: „Ich nehme aus dieser Debatte mit, dass ...“
Variante 3 – Kartenfeedback:
- Grüne Karten: „Das war ein starkes Argument.“
- Rote Karten: „Hier hätten wir uns noch mehr Begründung gewünscht.“
Variante 4 – Meta-Ebene:
- Welche Kompetenzen (z. B. Zuhören, Fairness, Respekt) waren in dieser Methode sichtbar?