Das Veto-Prinzip
Das Veto-Prinzip nach Maike Plath ist ein pädagogisches Konzept, das auf Gleichwürdigkeit, Selbstwirksamkeit und Machtteilung beruht. Jede Person hat das Recht auf ein Veto – ein „Nein“, das nicht begründet werden muss und dennoch respektiert wird. Dieses Recht schützt Grenzen, schafft Vertrauen und ermöglicht erst echte Kooperation. Pädagog:innen bleiben in Führungsverantwortung, teilen jedoch Macht mit der Gruppe. So entsteht ein Raum, in dem Demokratie konkret erfahrbar wird: nicht als Mehrheitsprinzip, sondern als Kultur der Aushandlung und Verantwortung.
Warm up
Nimm dir einen Augenblick Zeit für folgende Fragen:
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Wann habe ich zuletzt „Nein“ gesagt – und wie wurde das aufgenommen?
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Wie fühlt es sich an, wenn mein „Nein“ ernst genommen wird?
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Worin unterscheidet sich ein echtes „Nein“ von bloßer Verweigerung?
Kurze Aktivität: „Das kleine Nein-Spiel“
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In Zweiergruppen: Eine Person schlägt einfache Aktionen vor („Spring hoch!“, „Klatsch dreimal!“).
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Die andere übt, klar „Nein“ zu sagen.
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Die erste Person akzeptiert das Nein sofort, ohne zu diskutieren.
Reflexion: Wie fühlt es sich an, Nein zu sagen? Wie ist es, das Nein anderer zu akzeptieren?
Learn
Das Veto als Grundrecht und Haltung
Das Veto ist ein Schutzrecht: Jede Person darf „Nein“ sagen, wenn eine Grenze überschritten wird.
Nur wer Nein sagen darf, kann auch freiwillig und authentisch Ja sagen.
Bezug zu Jesper Juul: Gleichwürdigkeit = Jede Stimme hat denselben Wert.
Pädagog:innen geben Macht ab, behalten aber den Rahmen in der Hand.
Psychologisch: Veto fördert Selbstwirksamkeit, Autonomie, Resilienz.
Abgrenzung zu anderen Entscheidungsformen:
Autoritär = keine Mitsprache.
Mehrheitsprinzip = Minderheiten werden überstimmt.
Konsens = Anpassungsdruck.
Veto-Prinzip = jede Grenze zählt.
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Dive in 1
Das Veto-Prinzip als Verfahren & Methode
Zentrale Regel: Jede:r darf jederzeit Nein sagen – ohne Begründung.
Ablauf:
Vorschlag → 2. Veto-Runde → 3. Anpassung → 4. Umsetzung.
Führungsjoker: Pädagog:innen greifen ein, wenn Sicherheit oder Überforderung droht.
Übungen zum Einüben:
Kleine Alltagsentscheidungen mit Vetos durchspielen.
Kompromissketten entwickeln.
Rollenspiele in Konflikten.
Wirkung:
Entscheidungen werden langsamer, aber tragfähiger.
Teilnehmende lernen Verantwortung und Respekt.
Pädagog:innen werden von Durchsetzungszwang entlastet.
Hier erfährst du noch mehr
Dive in 2
Das Veto-Prinzip als systemischer Wandel
Das Veto-Prinzip als systemischer Ansatz verändert:
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Individuelle Haltung: Menschen erleben ihre Würde und Selbstwirksamkeit.
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Gruppenkultur: Zusammenarbeit wird tragfähiger, Konflikte konstruktiver.
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Institutionelle Strukturen: Organisationen entwickeln sich zu gleichwürdigen Räumen, in denen Führung geteilt wird.
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Gesellschaftliches Lernen: Demokratie wird als Aushandlungskultur erfahrbar, nicht als Herrschaft der Mehrheit.
Damit ist das Veto-Prinzip ein Instrument des Demokratielernens im 21. Jahrhundert – lokal erprobt, global relevant.
Das Veto verändert nicht nur Gruppen, sondern ganze Institutionen:
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Schulen = von hierarchisch zu partizipativ.
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Teams = resilienter, weniger Burnout, mehr Vertrauen.
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Gesellschaftlich:
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Demokratie wird als Aushandlungskultur verstanden.
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Minderheitenrechte und Pluralismus werden gestärkt.
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Populismus („Die Mehrheit hat recht!“) wird hinterfragt.
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Voraussetzungen für systemischen Erfolg:
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Haltungsarbeit im Kollegium/Team.
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Verankerung in Strukturen (Statuten, Schulverfassung).
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Übungskultur im Alltag.
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Rituale (Handzeichen, Redekarten) für sichtbare Vetos.
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Transfer 1
Übung „Veto im Kreis“
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Gruppe steht im Kreis. Vorschläge werden eingebracht („Alle klatschen gleichzeitig“).
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Jede:r darf Veto einlegen.
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Gruppe passt Vorschläge so lange an, bis alle mitgehen können.
Projektplanung mit Veto
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Kleingruppen planen ein Projekt (z. B. Klassenfest).
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Jede Entscheidung wird nur umgesetzt, wenn niemand ein Veto einlegt.
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Beobachtung: Wie verändert sich die Gesprächskultur?
Veto-Prinzip in meinem Alltag
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Pädagog:innen oder Teams reflektieren: Wo kann ich das Veto-Prinzip konkret einführen?
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Jede:r schreibt 3 Situationen auf (z. B. Klassensitzordnung, Themenwahl, Regeln für Gruppenarbeit).
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Umsetzung in der nächsten Woche, danach Reflexion.
Hier findest du die VETO-Fragen
Reflect
Zum Schluss ist Zeit für ein paar Fragen:
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Wie hat das Veto-Prinzip mein Verständnis von Führung verändert?
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Wann ist ein Veto berechtigt, wann blockierend?
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Wie kann das Prinzip Freiheit und Verantwortung in Balance halten?
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Welche Chancen und Grenzen sehe ich für meine Institution?