Eltern als Partner:innen – Kommunikation auf Augenhöhe
Elterngespräche sind weit mehr als organisatorische Treffen: Sie sind emotionale Begegnungen, in denen Beziehung, Vertrauen und Haltung sichtbar werden. Diese Einheit verbindet systemisches Denken mit kommunikativer Praxis. Du lernst, wie Sprache Wirklichkeit formt, wie Haltung und Raumgestaltung die Beziehung beeinflussen – und wie du auch in schwierigen Situationen Ruhe, Struktur und Offenheit bewahrst.
Warm up
Wann hast du zuletzt ein Elterngespräch als herausfordernd erlebt?
Welche Haltung hattest du in diesem Moment – eher verteidigend, erklärend oder fragend?
Welche Reaktionen von Eltern verunsichern dich am meisten?
Wie zeigst du Eltern, dass du sie ernst nimmst?
Welche Sprache (Worte, Körpersprache, Gesten) nutzt du, um Vertrauen aufzubauen?
Learn
„Haltung kann man nicht spielen – aber man kann sie pflegen.“
— Jesper Juul
Systemisches Denken geht davon aus, dass Wirklichkeit konstruiert wird – jede Person hat ihre eigene Sicht auf Situationen.
In Elterngesprächen bedeutet das: Niemand „besitzt“ die Wahrheit. Kommunikation wird zu einem Prozess des gemeinsamen Bedeutens.
Systemische Haltung heißt, Eltern und Kinder in ihren Systemen zu verstehen, anstatt sie zu beurteilen.
Sie beruht auf Achtsamkeit, Neugier, Vertrauen und Selbstreflexion.
Gesprächsführung wird so zu einem Prozess des gemeinsamen Lernens.
Willst du mehr darüber erfahren? Dann klicke hier:
Systemische Haltung und Gesprächspsychologie
Buddy-Aufgabe:
Entwickelt für jede Haltung (Neutralität, Kontext, Ressourcen, Zirkularität) ein eigenes Gesprächsbeispiel aus eurer Praxis.
Besprecht anschließend, wo euch diese Haltung leichtfällt – und wo ihr Stolpersteine erlebt.
Dive in 1
Struktur gibt Sicherheit, besonders in emotionalen Gesprächen.
Ein klarer Rahmen ermöglicht es, offen zu bleiben, ohne sich zu verlieren.
Struktur gibt Halt, Beziehung schafft Vertrauen, Dialog ermöglicht Veränderung.
Das Phasenmodell macht aus Pflichtgesprächen pädagogische Lernräume:
Eltern und Fachkräfte begegnen sich als Partner:innen im Verstehen.
Mehr dazu findest du hier:
Struktur, Beziehung & dialogische Kompetenz
Fertig?
Gemeinsam mit deinem Buddy:
- Analysiert gemeinsam ein Gesprächsprotokoll aus eurer Praxis.
- Markiert systemische Haltungen (Fragen, Spiegelungen, Ressourcenbezug) und formuliert Alternativen.
Dive in 2
Haltung im Raum: Kommunikation sichtbar gestalten
„Du setzt dich nicht über das Gespräch – du setzt dich hinein.“
Gesprächsatmosphäre entsteht nicht nur durch Worte, sondern durch Raum, Körper, Blick und Position.
Systemische Gesprächskultur zeigt sich nicht nur im Wort, sondern im Raum, im Blick und im Körper.
Ein wertschätzendes Setting wird so zur sichtbaren Form pädagogischer Haltung.
Wer Kommunikation sichtbar gestaltet, baut Vertrauen, ermöglicht Partizipation und verwandelt Räume in Orte des Verstehens.
|
Sitzordnung |
Wirkung |
Empfehlung |
|
Schreibtisch dazwischen |
Distanz, Hierarchie |
Nur bei offiziellen Anlässen |
|
Gegenüber, ohne Tisch |
Konfrontation möglich |
In Konflikten vermeiden |
|
90°-Winkel / L-Form |
Zugewandtheit, Offenheit |
Ideal für Beratungen |
|
Runde Anordnung |
Gleichwertigkeit, Beteiligung |
Besonders bei Gruppengesprächen |
|
Eltern wählen Platz frei |
Vertrauen, Selbststeuerung |
Zeigt Respekt & reduziert Machtgefälle |
Weitere Aspekte:
-
Körpersprache: Offene Haltung, Blickkontakt, sanfte Stimme.
-
Raumgestaltung: Pflanzen, Licht, keine Barrieren.
-
Atmosphäre: Wasser anbieten, Pausen ermöglichen.
Hier findest du mehr dazu:
Praxisorientierte Gestaltung
Buddy-Aufgabe:
Simuliert zwei Gesprächssettings:
-
Mit Tischbarriere
-
In 90°-Winkel-Position
Wie verändern sich Mimik, Stimme, Gesprächsfluss?
Welche Form gelingt euch authentischer?
Transfer 1
Anwendung im pädagogischen Alltag
Erstelle dein persönliches Gesprächs-Leitblatt nach dem AAAK-Modell.
Überlege:
-
Welche Fragen stärken Beziehung und Klarheit?
-
Welche Haltung möchtest du sichtbar machen?
-
Welche Formulierungen willst du künftig vermeiden?
Systemisches Elterncafé:
-
Verschiedene Sitzsituationen aufbauen (Tischbarriere, Kreis, Sofa).
-
Eltern reflektieren: „Wie möchte ich empfangen werden?“
-
Gemeinsame Leitlinien für Gesprächskultur entwickeln.
-
Abschlussrunde mit Feedbackkarten („Das wünsche ich mir von Gesprächen mit Pädagog:innen“).
Transfer 2
Das Haus der Gesprächskultur
(Überblick & Anwendung im Team)
Ziel
Das „Haus der Gesprächskultur“ hilft Teams, ihre Haltung und Sprache in der Zusammenarbeit mit Eltern sichtbar zu machen.
Es verbindet Struktur (Fundament, Wände, Dach) mit Haltung (Wertschätzung, Transparenz, Dialog).
Grundidee
Gesprächskultur ist wie ein Haus: stabil, bewohnbar, mit Fenstern, Türen und Räumen für Entwicklung.
Jede*r im Team ist Mitgestalter:in dieses Hauses – durch Wortwahl, Raumgestaltung und Haltung.
|
Hausteil |
Bedeutung |
Beispiel |
|
Fundament |
Werte, systemische Haltung |
Vertrauen, Allparteilichkeit, Offenheit |
|
Wände |
Struktur & Regeln |
Gesprächsabläufe, Transparenz, Rollenklärung |
|
Fenster |
Blick nach außen |
Feedback, Elternsicht, Kooperation |
|
Dach |
Sprache & Feedbackkultur |
Wertschätzung, Reflexion, gemeinsame Lernhaltung |
|
Garten |
Vielfalt & Inklusion |
Mehrsprachigkeit, Partizipation, interkulturelle Offenheit |
Reflect
„Gesprächskultur ist Beziehungskultur – sie beginnt mit innerer Haltung.“
-
Welche Haltungen tragen dich auch in Konflikten?
-
Wie spiegelt sich dein Menschenbild in deiner Gesprächsführung?
-
Was möchtest du beibehalten, verändern, weitergeben?
-
Wie trägst du durch dialogische Gespräche zu Inklusion und Demokratiebildung bei?