Restorative Circles (Wiederherstellende Gesprächskreise)
Restorative Circles sind ein Verfahren zur Konfliktbearbeitung, das nicht auf Schuld oder Strafe fokussiert, sondern auf Verantwortung, Wiedergutmachung und Heilung von Beziehungen. In einem Kreis kommen alle Beteiligten zu Wort, begleitet durch klare Strukturen und Leitfragen. Forschung zeigt: Wenn Circles gut implementiert sind, können sie das Schulklima verbessern, Konflikte deeskalieren und langfristig Demokratiekompetenzen stärken. Diese Unit vermittelt theoretisches Wissen, wissenschaftliche Hintergründe und praktische Werkzeuge für die Anwendung.
Warm up
„Frieden bedeutet nicht die Abwesenheit von Konflikten, sondern die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen.“ – Gandhi
Nimm dir kurz Zeit für folgende Fragen:
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Wann habe ich erlebt, dass ein Konflikt fair gelöst wurde?
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Woran erkenne ich ein respektvolles Gespräch?
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Was fällt schwerer: Verantwortung zu übernehmen oder zu vergeben?
Überlege gemeinsam mit deinem Buddy:
Zwei Jugendliche streiten regelmäßig, Strafen haben bisher keine Wirkung.
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Welche Alternative könnte es geben?
Learn
Restorative Circles stammen aus der Tradition der Restorative Justice. Ursprünglich in indigenen Gemeinschaften praktiziert, wurden diese Methoden in den 1970er Jahren in Justizsysteme integriert und später in Schulen übernommen. Das Ziel ist nicht, Täter:innen zu bestrafen, sondern gemeinsam zu verstehen:
Was ist passiert?
Wen hat es verletzt?
Wie kann Wiedergutmachung geschehen?
In Schulen dienen Circles sowohl der Prävention (Stärkung von Gemeinschaft) als auch der Intervention (Bearbeitung von Konflikten). Studien zeigen positive Effekte auf das Schulklima, die Reduktion von Suspendierungen und die Förderung von Empathie und Verantwortung.
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Dive in 1
Systemische Perspektive
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Konflikte sind eingebettet in Beziehungssysteme – Circles betrachten nicht nur Einzelne, sondern ganze Kontexte.
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Rückkopplungsschleifen: Jede Vereinbarung wird nach 2–4 Wochen überprüft → Nachhaltigkeit.
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Schule/Jugendgruppe wird zum lernenden System, das Konflikte bearbeitet statt verdrängt.
Interkulturelle Dimension
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Direkte vs. indirekte Kommunikation: Circles geben Raum für beide Stile.
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Mehrsprachigkeit: Beiträge in Erstsprache zulassen, Übersetzung durch Buddys.
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Unterschiedliche Vorstellungen von Verantwortung: wichtig, diese Unterschiede transparent zu machen.
Inklusive Aspekte
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Leitfragen sichtbar (Plakate, Karten).
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Redegegenstand (Talking Piece) sichert faire Redezeit.
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Satzstarter helfen unsicheren Teilnehmenden.
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Anonyme Anliegen möglich (Zettel, digitale Tools).
Praxisempfehlungen
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Beginne klein: erst mit fiktiven Anliegen üben, bevor ernste Konflikte besprochen werden.
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Dokumentation: Vereinbarungen schriftlich festhalten.
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Follow-up: nach 2–4 Wochen prüfen – Umsetzung stärken.
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Meta-Runden: Gruppe reflektiert regelmäßig die Gesprächskultur.
Empirische Befunde
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Lodi et al. (2022): Besonders wirksam sind Circles, wenn sie regelmäßig eingesetzt und in eine Schulkultur der Verantwortung eingebettet sind.
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REL Northwest (2025): Effekte sind nicht nur kurzfristig; Community-Building-Circles stärken langfristig Zugehörigkeit und Vertrauen.
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Kritik (Fordham Institute, 2022): In manchen Kontexten werden Circles als „zu weich“ wahrgenommen → Wichtig: klare Integration und Kommunikation im Kollegium.
Gemeinsam mit deinem Buddy:
Welche drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Circles in eurer Einrichtung fair und sicher ablaufen können?
Transfer 1
Starte mit einem Probe-Circle (20–30 Minuten) zu einem kleinen Thema:
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Anliegen auswählen, Rollen verteilen.
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Leitfragen nutzen.
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Vereinbarung schriftlich dokumentieren.
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Kurze Reflexion im Plenum: Wie hat es sich angefühlt?
→ Danach schrittweise in den Alltag übertragen: regelmäßige Circles, Follow-up, Meta-Runden.
Checkliste „Erster Restorative Circle“
Reflect
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Was verändert sich, wenn wir Konflikte im Kreis statt mit Strafe bearbeiten?
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Welche Haltung brauche ich als Pädagog:in?
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Welche Strukturen müssen wir anpassen, damit Circles funktionieren?
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Was will ich beibehalten, was will ich ändern?